06.06.21

Zwei

„Es sind immer zwei; eins steht dem andern gegenüber, und er hat nichts geschaffen, was nicht gelungen ist.“ (Sirach 42,24)

© Foto: Heike Kistner

 

Wie ist wohl in den Köpfen unserer Vorfahren das Verständnis für die Zwei entstanden? Durchs Gehen (links-rechts-links-rechts)? Durch Rhythmus (Tanzen, Trommeln)? Durch die Wahrnehmung unserer von Kontrasten durchzogenen Umwelt? Wir unterscheiden Tag und Nacht, Sommer und Winter, Geburt und Tod und sind so von Beginn unserer Existenz auf Gegensätze eingestellt. Das gibt Halt und Orientierung. Ganz früh lernen wir außerdem schon zu unterscheiden zwischen uns selbst und der Welt, zwischen mir und dir. Aber ich nehme nicht nur diese Kontraste wahr, sondern auch, dass zwei Dinge ganz fest zusammengehören. Für meine Füße brauche ich zwei Stiefel, für meine Hände zwei Handschuhe, die gemeinsam ein Paar bilden, sich zudem spiegelverkehrt zueinander verhalten. Symmetrie war schon immer Teil unserer Welt, wir Menschen haben sie nicht erschaffen, aber erkannt. In der Natur gibt es symmetrische Anordnungen in tausendfacher Weise. Schmetterlingsflügel, Schneekristalle oder unser eigener Körper versetzen uns durch ihre Bauweise in größtes Erstaunen und wir ahmen sie in Kunst und Architektur nach. Wir begreifen, dass zwei Hälften ein Ganzes bilden, sich zu einem Paar vereinigen und sind nicht zuletzt bei der Partnerwahl auf der Suche nach einem Pendant, das uns ergänzt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Ihre Heike Kistner

1. Vorsitzende des Kirchengemeinderates