21.10.19

Wie weiterleben nach dem Unfalltod von Mann und Kindern?

Schorndorfer Nachrichten. Vor elf Jahren verlor Barbara Pachl-Eberhart durch einen Unfall ihren Mann und die beiden gemeinsamen Kinder. Wie kann ein Mensch ein so großes Unglück verarbeiten?

Ein eloquentes Glückskind, gestenreich und inspirierend: Die Wiener Autorin Barbara Pachl-Eberhart beim Sky-Talk © Foto: Benjamin Büttner

Inzwischen ist die Wienerin Bestseller-Autorin, wieder verheiratet und hat eine kleine Tochter. Im bewegenden Gespräch mit Pfarrer Kläger-Lißmann beim Sky-Talk in der Taos Sky-Bar bezeichnete die ehemalige Clownin sich als Glückskind und sprach vom Wunder des Lebens.

Als Gast war eine Frau nach einem schweren Schicksalsschlag angekündigt. Ein Zug erfasste im März 2008 das Auto mit ihrem Mann und den zwei Kindern. Alle tot. Was für eine Geschichte. Da kommen wir gerne. Uns schaudert. Und wie hätten wir es denn gefällig? Nun, vielleicht so: Die Frau erzählt, wie sie die unfassliche Nachricht bekam. Heillos verstrickt in abstruse Details. Von seltsamen Ahnungen flüstert sie.

Dabei erstickt ihr die Stimme. Tapfer setzt sie erneut an. Doch sie kann den Tränenstrom nicht unterdrücken. Bricht weinend ihre Rede ab. Wir sind zutiefst betroffen. Aber irgendwie auch froh, denn zum Glück hat es uns nicht getroffen. Doch was für eine Geschichte! Da kommen wir gerne.

Aber so war es nicht. Das Leben ist doch anders. Zum Glück ganz anders.

„Können Sie Gott verzeihen?“ - „Ich war ihm nie böse.“


Die Rede ist von Barbara Pachl-Eberhart und ihrem Auftritt beim Sky-Talk. Und ein Auftritt war es. Die Frau hat sich wieder (auf-)gefangen. Und sie eröffnet das Gespräch damit, zu erzählen, dass sie sich – bis zu diesem einen Tag – immer für ein Glückskind gehalten habe. Und je länger die einfühlsame Begegnung zwischen ihr und Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann dauert, umso mehr wird deutlich: Diese Frau ist ein Glückskind geblieben. Wie kann das sein? Darf das überhaupt sein?

Denn einmal kommt da die Frage aus dem Publikum. „Können Sie Gott verzeihen, was er Ihnen angetan hat?“ Und die Leidgeprüfte antwortet sanft: „Ich war ihm nie böse.“ Und sie fügt hinzu, und meint damit nicht nur Gott: „Das Unverzeihbare verschwindet vielleicht nie ganz, aber es kann eine Hülle bekommen.“ Ihr Selbstverständnis war immer das der Glücksbringerin. Aber der Verlust der eigenen Familie habe ihr „ganzes Selbstbild zerschmettert“.

"Es war das Geschenk meiner gestorbenen Familie"


Im Leben „danach“ begann Barbara Pachl-Eberhart mit dem Schreiben. „Es war das Geschenk meiner gestorbenen Familie.“ Inzwischen ist sie eine Bestseller-Autorin. Sie sagt, nach einer langen Zeit der von allen geduldeten Narrenfreiheit nach dieser Katastrophe, sei sie „in eine neue Verantwortung hineingewachsen“. Denn da gab es dieses „Grundvertrauen, das ich habe, dass im Schwung sich mir immer neue Hände reichen“.

Inzwischen könne sie sich selbst „beim Menschsein zuschauen“. Und sie lacht und meint: „Die Menschen sind – in Wien sagt man Wurschtln – seltsame Gestalten.“ Aber, „dafür, wie komisch wir ausgestattet sind, dafür machen wir es doch ganz gut“.

Ihr letztes Buch handelt von den Wundern des Lebens. Und was, will Steffen Kläger-Lißmann wissen, ist ein Wunder? „Wunder ist immer wieder ein Ereignis, das mich zum Tanz auffordert“, ist die Antwort. „Wir müssen nur fünf Minuten spazieren gehen und wir werden ein Wunder treffen.“ Es sei dieser „Vorschuss-Kredit ans Leben“, der von uns kommen müsse. „Ich will, ich glaube an ein Glück.“ Und die Autorin erzählt von ihrer Vorstellung

©️ Schondorfer Nachrichten; Foto: Benjamin Büttner