Stadtkirche am Abend: Eine neue Sprache für Gott finden

11.Okt.2020. Impulse in der Sprache der Poesie, in der Sprache der Musik mit Improvisationen zu Kirchenliedern, in der Sprache der Kunst.

 

Die religiöse Sprache leuchtet nicht mehr

 „Der Tag wird kommen, das Wort Gottes wieder so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Es wird eine neue Sprache sein, vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und erlösend, wie die Sprache Jesu, die Sprache einer neuen Gerechtigkeit und Wahrheit. Die Sprache, die den Frieden Gottes mit den Menschen und das Nahen seines Reiches verkündet" (Dietrich Bonhoeffer)

VON DOROTHEE EISRICH

 

Das kirchliche Reden von Gott – für viele Menschen ist sie merkwürdig formelhaft und tot geworden. Wir sprechen ihn aus, den Namen Gottes, beginnen so jeden Gottesdienst, taufen Kinder im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Alles ist korrekt und richtig, aber es leuchtet nicht mehr. Es geht den meisten bei diesen Worten nicht mehr das Herz auf, von welcher befreienden Kraft wir sprechen. Ganz im Gegenteil: Viele hat die autoritäre dogmatische hierarchische Sprache, das ständige Reden von Sünde und Erlösung geradezu aus der Kirche getrieben. Wie groß ist die Gefahr, dass aus Religion Ideologie wird statt Begegnung mit der göttlichen Gegenwart. Aus der Kirche eine Institution, die meint, Gott zu besitzen und den Glauben verwalten zu müssen statt der immer neuen Gottsuche und Gotteserkenntnis Raum zu geben. „Gott ist doch kein Christ“ heißt einer der bemerkenswerten Sätze des anglikanischen Bischofs Desmond Tutu.


Vielleicht ist „Gott“ überhaupt nicht das richtige Wort für das Unbenennbare

Bei der Vorbereitung dieses Abends hat jemand gesagt: „Ich bin gläubig geworden, als ich diese ganze Kirchensprache hinter mir lassen konnte. Aber darf ich das, meine eigene Sprache finden, meiner eigenen Erfahrung trauen?“ Immer mehr denken: es ist überhaupt an der Zeit, dieses dualistische Denken hinter sich zu lassen, das das Leben aufteilt in oben und unten, in Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, und zu erkennen: alles Leben ist heilig. Es gibt kein unheiliges Leben, es gibt nur unheiliges Tun. Viele machen sich heute auf, eine neue Sprache für Gott zu finden. Vielleicht ist „Gott“ überhaupt nicht das richtige Wort für das Unbenennbare, für das große Geheimnis unseres Lebens, für das Geheimnis allen Lebens, für das, was unser Leben übersteigt, für Wind und Weite und für ein Zuhaus...

 

Den gesamten Vortrag finden Sie hier

 
 
Uli Lutz, Justinus Feilhauermore_vertical
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