22.06.2011
Orgelsanierung kostet 389 000 Euro
Der geplante Ausbau im Oktober 2012 soll auch gleich den Start für die Innenrenovierung der Stadtkirche markieren
Seit sich der Kirchengemeinderat mit der Sanierung der denkmalgeschützten Bornefeld-Orgel in der Stadtkirche befasst, ist deren Zustand, sowohl was die Statik als auch die Mechanik betrifft, nicht besser geworden – ganz im Gegenteil. Und die Sanierung entsprechend teurer, wie sich jetzt bei der Vergabe gezeigt hat. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 360 000 Euro, vergeben hat der Kirchengemeinderat die Sanierung jetzt für 389 000 Euro.
Der Beschluss, die Orgel in der altehrwürdigen Stadtkirche sanieren zu lassen, fällt mit zwei kirchenmusikalischen Jubiläen zusammen: Zum einen wird’s am 24. September genau 50 Jahre her sein, dass die klanglich von Prof. Helmut Bornefeld konzeptionierte Orgel zum ersten Mal in einem Gottesdienst zu hören war, zum andern war’s am 1. März genau 20 Jahre her, seit die mittlerweile zur Kirchenmusikdirektorin avancierte Hannelore Hinderer ihren Dienst als Kirchenmusikerin in Schorndorf angetreten hat. Und seit etwa zehn Jahren stellt sie bei ihrem Lieblingsinstrument, auf dem sie so viele Gottesdienste begleitet und so viele Konzerte bestritten hat, gravierende Einschränkungen fest. Das gilt erst recht, seit nachweisbar festgestellt ist, dass es auf der Empore zu Bewegungen und zu statischen Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die es nicht nur erforderlich gemacht haben, dass die immerhin 18 Tonnen schwere Orgel gestützt und zusätzlich provisorisch verankert werden musste, sondern die auch dazu geführt haben, dass die nicht mehr im Lot stehenden Pfeifen und die Pedalwindladen deutlich instabiler geworden sind. Zu den musikalischen Beeinträchtigungen, dass Töne erklangen, die gar nicht geschaltet waren, oder dass plötzlich wie von Geisterhand der Klang wegblieb, kamen also Probleme der Standsicherheit sowohl der Orgel als auch der gesamten Empore. Weshalb sich Hannelore Hinderer seither auch streng an die Anweisung hält, nur noch maximal acht Personen gleichzeitig auf die Empore zu lassen. Und Dekan Volker Teich mag gar nicht daran denken, was hätte passieren können, wenn eine der mittlerweile zusätzlich mit einem Draht gesicherten schweren Pfeifen heruntergefallen wäre.
Modernste Registersteuerung durch eine „Setzerkombination“
Da ist’s doch bedeutend besser, die Pfeifen fachmännisch ausbauen zu lassen, wie das im Oktober 2012 die vom Kirchengemeinderat mit der Orgelsanierung betraute Firma Mühleisen in Angriff nehmen soll. Ihre Aufgabe wird es sein, die Orgel komplett ab- und auszubauen, alle Pfeifen gründlich zu reinigen und neu zu intonieren, die technische Verbindung zwischen Tasten und Pfeifen zu erneuern und am Spieltisch eine „Setzerkombination“ einzubauen, die eine Registersteuerung auf dem neuesten Stand der Technik garantiert und laut Hannelore Hinderer schier unendliche Speicher- und Programmiermöglichkeiten eröffnet. Zeitlich gekoppelt ist die aus Sicht der Bezirkskantorin und Kirchenmusikdirektorin nach 50 Jahren mehr als überfällige Generalsanierung der Orgel mit dem Beginn der Innenrenovierung der Stadtkirche. Denn mit der soll Dekan Volker Teich zufolge, beginnend mit der statisch kritischen Empore, begonnen werden, sobald die Orgel abgebaut ist. Wobei es dem Dekan am liebsten wäre, wenn die Innenrenovierung in einem Bauabschnitt erledigt werden könnte. Ob das gelingt und ob der zeitliche Rahmen eingehalten werden kann, hängt in erster Linie vom Spendenaufkommen für das gesamte Projekt „Innensanierung“ ab. Schließlich sind von den veranschlagten 3,2 Millionen Euro (inklusive Orgel) nur 1,6 Millionen durch Zuschüsse abgedeckt, die zweite Hälfte muss die Kirchengemeinde selber aufbringen. Und von diesen 1,6 Millionen Euro muss in absehbarer Zeit die Hälfte nachweislich zur Verfügung stehen, damit im Oktober 2012 mit der Innenrenovierung begonnen werden kann. Derzeit beläuft sich das Spendenaufkommen auf rund 550 000 Euro.
Dass im Oktober 2012 mit der Innenrenovierung begonnen werden kann, davon geht der Dekan optimistisch aus. Ob die Spenden weiterhin so fließen, dass die Renovierung in einem einzigen Bauabschnitt erledigt werden kann, muss sich dagegen erst noch zeigen. Wenn nicht, dann, so Volker Teich, müssten halt in Abstimmung mit dem Architekten zwei oder mehrere Bauabschnitte gebildet werden, wobei’s ihm und natürlich auch Hannelore Hinderer recht wäre, wenn in den ersten Bauabschnitt zumindest all das aufgenommen werden könnte, „was Dreck macht“ und was es bei späterer Realisierung erforderlich machen würde, die sanierte und möglicherweise gerade eingebaute Orgel gleich wieder zu schützen. Bislang jedenfalls ist vorgesehen, dass die große Orgel im Februar 2014 wieder ihren Platz in der Stadtkirche einnimmt und optisch und akustisch in neuem Glanz und Wohlklang erstrahlt.
Pfeifenpatenschaft
Kirchenmusik ohne Orgel und Stadtkirche
Hans Pöschko, Schorndorfer Nachrichten, 22.06.2011.
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